Die Entwicklung von Athlet*innen ist ein langfristiger Prozess, an dem im deutschen Sportsystem viele Personen und Institutionen beteiligt sind. Kinder sammeln erste Bewegungserfahrungen meist in der Familie, in der Kita oder Schule oder im Sportverein. Danach sind vielfältige Entwicklungswege möglich - und nur die wenigsten resultieren darin, dass die Sportler*innen Weltklasse-Leistungen erreichen. DELTA+ bietet einen sportartübergreifenden konzeptionellen Rahmen, in dem die Entwicklung von Entwicklung von Talenten in die vier Etappen Basis, Talent, Elite und Weltklasse unterteilt werden kann. Dieser Rahmen soll dabei unterstützen, junge Athlet*innen individuell und ganzheitlich zu entwickeln und ihnen ein optimales Umfeld im deutschen Leistungssportsystem zu schaffen.
Unter Nachwuchsleistungssport versteht man die langfristige und ganzheitliche Entwicklung von Nachwuchsathlet*innen zu gesunden Spitzensportler*innen. Neben der sportlichen Entwicklung sind dabei die Ausbildung der Persönlichkeit für eine eigenverantwortliche Lebensführung und das Ermöglichen von Schulabschlüssen, die von den Athlet*innen angestrebt werden, wesentliche Ziele. Nachwuchsleistungssport ist nicht trennscharf in der Abgrenzung vom Breiten- und vom Spitzensport. Allgemein gesagt, beginnt Nachwuchsleistungssport, wenn Training systematisch, organisiert, leistungsorientiert und mit langfristiger Perspektive auf den Spitzensport betrieben wird. Die Grundlage einer leistungssportlichen Karriere wird meist in leistungssportorientierten Vereinen gelegt.
Wann beginnt Nachwuchsleistungssport? Hierfür gibt es keine übergreifende Festlegung oder Definition und die Grenzen zum Breiten-/Freizeitsport sind fließend. Allgemein gesagt beginnt Nachwuchsleistungssport, wenn Training systematisch, organisiert, leistungsorientiert und mit langfristiger Perspektive auf den Spitzensport betrieben wird. Bei DELTA+ entspricht dies der Etappe Talent mit den Phasen T1 bis T4. Es ist in verschiedenen Settings möglich, sportlich aktiv zu sein und zu trainieren. In den meisten Fällen findet der Beginn des leistungsorientierten Trainings von Kindern und Jugendlichen im Verein oder in der Schule statt.
Man kann davon sprechen, dass Nachwuchsathlet*innen über Talent oder Potenzial verfügen, wenn sie die konditionellen, psychischen, kognitiv-taktischen, koordinativen und technischen „Rohmaterialien“ bzw. Leistungsvoraussetzungen für spätere Spitzenleistungen mitbringen. Ebenso benötigen sie die Bereitschaft, diese langfristig zu entwickeln und brauchen je nach Sportart entsprechende körperbauliche Voraussetzungen, um im Elitebereich erfolgreich sein zu können (2).
Über Talentsuchemaßnahmen wird versucht, motorisch auffällige Kinder, die noch keine Sportart organisiert ausüben, für eine Sportart zu gewinnen und ihnen einen systematischen Einstieg in den Nachwuchsleistungssport zu ermöglichen. In DELTA+ lässt sich Talentsuche vor allem in der Phase B2 Motorische Basis erweitern und verfeinern verorten. Allerdings gibt es in der Praxis oft keine trennscharfe Abgrenzung. Werden beispielsweise Talent- oder Bewegungs-Checks an Grundschulen durchgeführt, nehmen daran auch Kinder teil, die bereits im Verein trainieren und sich dementsprechend in Phase B3 Sportartspezifisches Training oder Wettkampf befinden.
Aufgrund begrenzter Ressourcen (Verfügbarkeit von Trainingszeiten oder qualifizierter Trainer*innen, Bereitstellung von Sportgeräten …) können nicht für alle Nachwuchsathleten vollumfängliche Fördermaßnahmen ermöglicht werden. Deshalb ist es erforderlich, auf der Basis von Talentmerkmalen das Potenzial von Athlet*innen für zukünftige Spitzenleistungen in einer Sportart/-disziplin einzuschätzen (= Talentidentifikation). Unter Talentsichtung kann man die Maßnahmen verstehen, auf deren Basis die Talentidentifikation stattfindet. Auf der Grundlage (mehrmaliger) Sichtungsmaßnahmen werden Sportler*innen einer Sportart/-disziplin für spezielle Fördermaßnahmen ausgewählt. Die Kadernominierung ist eine spezielle Form der Talentauswahl. Die Entwicklung von Talenten ist ein langfristiger, ganzheitlicher und komplexer Prozess, der im Idealfall mit dem Übergang in den Elitebereich (ab Perspektivkader) endet. Dabei werden die Athlet*innen systematische durch Fördermaßnahmen unterstützt (siehe Individuelle Fördermaßnahmen). Talentidentifikation/-sichtung und -entwicklung kann man nicht losgelöst voneinander betrachten. Die Ergebnisse der Sichtungsmaßnahmen sollten bei der Athlet*innenentwicklung berücksichtigt werden. Andererseits sollte auch der bisherige Entwicklungsweg berücksichtigt werden, wenn Sichtungsergebnisse interpretiert und Auswahlentscheidungen getroffen werden. Talentsichtung und -auswahl findet (überwiegend) mit Athlet*innen statt, die bereits in der Sportart trainieren und an Wettkämpfen teilnehmen. In DELTA+ entspricht dies der Phase B3. In der gesamten Etappe Talent finden Auswahl- und Entwicklungsmaßnahmen statt, die im Idealfall dazu führen, dass Athlet*innen Deutschland international im Spitzensport vertreten (E1) und internationale Erfolge im Spitzensport erzielen (E2).
Im paralympischen Sport gliedert sich der Nachwuchsleistungssport in die drei Bereiche Gewinnung, Sichtung und Förderung. Die Gewinnung zielt darauf ab, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Behinderung für den Sport zu begeistern. Wurde die Begeisterung entfacht, gilt es, Vereine und Angebote zu finden oder auch zu entwickeln, um die Menschen mit Behinderung langfristig an den Sport zu binden. Erst darauf aufbauend, erfolgt die Sichtung der Talentierten und Klassifizierbaren. War die Sichtung erfolgreich, ist das regelmäßige, mehrmals wöchentliche Training in einem Verein sicherzustellen und eine stringente, langfristige sowie nachhaltige Förderung über den Landes- und Bundeskader anzustreben.