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Wasserspringen: Methodische Reihe zur Erlernung von Mehrfachdrehungen rückwärts (Saltodrehgerät)

Wasserspringen

  • Mehrfachdrehungen rückwärts mit dem Ziel der Blickorientierung und des Streckens
Erstellt von: Kristina Flasch-Coura (IAT) und Deutscher Schwimm-Verband e.V.
Stand: 12/2023

Organisation
Trainingsort
(Trockensprung-)Halle
Benötigtes Material
Saltodrehgerät, Orientierungshilfen am Boden bzw. im Raum (z. B. bunte, auffällige Tücher)
Hilfestellung
1 Trainer*in pro Athlet*in
Anzahl der Athlet*innen parallel
1 Athlet*in im Saltodrehgerät (1 zu 1-Betreuung)

Aufbauhinweise

  • Fester, sicherer Stand des Saltodrehgeräts
  • Gürtel und Nieten vor Inbetriebnahme auf Sicherheit kontrollieren: sie dürfen nicht beschädigt oder angerissen sein

Hilfestellung

Der/die Trainer*in bestimmt das Drehtempo, die Anzahl der Drehungen und das Anhalten der Drehungen entsprechend dem Leistungsvermögen des/der Sportler*in

Zielgruppe

Ausbildungsetappe/Alter

  • Keine Vorkenntnisse notwendig
  • Keine Altersbeschränkung
Beschreibung und Ausführung

Übungsbeschreibung

Der/die Sportler*in wird von dem/der Trainer*in gedreht (erst langsam, später schneller) und soll sich optisch orientieren. Zuerst werden nur Drehungen imitiert, später kommt das Öffnen rückwärts dazu.
Die Drehungen können vom 1 1/2 Salto rückwärts bis hin zu Vielfachdrehungen vorwärts trainiert werden, es bedarf hierfür keiner Vorkenntnisse.
Ziel des Trainings im Saltodrehgerät ist das Schaffen von Bewegungsvorstellungen sowie die Schulung der optischen Orientierung.

 

Bedeutung und Notwendigkeit der optischen Orientierung im Wasserspringen

Je besser die Orientierung in der Flugphase ist, umso schneller verläuft der Lernprozess und die technische Vervollkommnung der Sprünge. Die Bereitschaft der Springer*innen wird größer, wenn es darum geht, höhere Sprunganzahlen bei schwierigen Sprüngen zu bewältigen.

Deshalb muss der Schulung der Orientierung vor der Erlernung schwieriger Kürsprünge eine große Aufmerksamkeit gewidmet werden.

Da die optischen Informationen in vielfältiger Weise mit anderen Sinnesinformationen (taktile, vestibuläre und kinästhetische Informationen) verknüpft sind und die im Gedächtnis gespeicherten Erfahrungen in die Orientierungsvorgänge einfließen, genügen oft nur Bruchteile von optischen Informationen, um ein komplettes Bild der Außenwelt - und unserer Position darin - in der Vorstellung widerzuspiegeln. Dieses Zusammenspiel der Sinnesorgane und der im Gedächtnis gespeicherten Bewegungs- und Orientierungserfahrungen spielt auch bei der Orientierung im Wasserspringen eine große Rolle. Da in der kurzen Flugzeit optisch nur Bruchteile des umgebenden Raumes erfasst werden können, müssen dennoch, auf der Grundlage vielfältiger Erfahrungen, zielorientierte Bewegungshandlungen abgeleitet und realisiert werden. Das Auge und die verarbeitenden Bereiche im Sehzentrum des Gehirns spielen dabei eine wesentliche Rolle. Im Sport sind das dynamische und das periphere Sehen, sowie die Ortungsgeschwindigkeit von Objekten und die Schnelligkeit der Verarbeitung optischer Reize im Gehirn von großer Bedeutung. Für die Wahrnehmung sich bewegender Objekte funktioniert ein Mechanismus, der mit dem Begriff „Verfolgungssehen“ bezeichnet wird. Bei diesem Vorgang springt das Auge bei der einleitenden Komponente aus seiner Normalstellung mit hoher Geschwindigkeit zur Peripherie des Gesichtsfeldes, um das Objekt zu erfassen. Danach wird das Objekt bei seinem Weg über das Gesichtsfeld verfolgt und wenn es das Gesichtsfeld verlässt, springt das Auge reflektorisch in seine Normalstellung zurück. Dieser Vorgang wird in der Regel von gleichgerichteten Kopfbewegungen begleitet. Durch diesen Mechanismus ist es möglich, ein Objekt länger im Gesichtsfeld zu halten. Balletttänzer*innen nutzen diesen Vorgang zur Orientierung bei Pirouetten in folgender Weise: Während sich der Körper um die Längsachse dreht, halten sie den Kopf lange in der Ausgangsposition und fixieren den Orientierungspunkt, bis er aus dem Gesichtsfeld verschwindet. Danach überholen sie mit einer schnellen Kopfdrehung den Körper, um den Orientierungspunkt noch vor Vollendung der Körperdrehung wieder zu erfassen.

Es ist davon auszugehen, dass der in horizontaler Ebene beschriebene Ablauf in gleicher Weise auf die vertikale Ebene übertragen werden kann.

Die Analyse einer Vielzahl von Rückwärts- und Auerbachsprüngen international erfolgreicher Wasserspringer*innen bestätigen diese Annahme.

Das Bestreben, die Bewegungsabläufe optisch zu kontrollieren, sollte deshalb in den Lernphasen eine besonders große Rolle spielen. Es darf aber nicht unkontrolliert erfolgen, weil besonders bei rückwärtsdrehenden Sprüngen falsche und unzweckmäßige Kopf- und Augenbewegungen erlernt und stabilisiert werden können. Das Erlernen der optischen Orientierung sollte bereits bei den Abfallern beginnen und die Athlet*innen sich zum Wasser orientieren. Bei vorwärts- und rückwärtsdrehenden Sprüngen sind unterschiedliche Bedingungen für die optische Orientierung vorhanden.

 

Rückwärtsdrehende Sprünge mit vorwärtsgerichteter optischer Orientierung:

  • Hier ist ein festgelegter Orientierungspunkt (Wasser, Beckenrand, Brett u.a.) kurz vor oder während der Beendigung der Sprungfigur zu erfassen. 
  • Die zu sehenden Objekte sind in „Normalstellung“. Der Kopf befindet sich in der Position „Scheitel nach oben“.
  • Der Blickwinkel beträgt ca. 40°–50°. Die nachfolgende Aussteuerphase kann „vorprogrammiert“ und im ersten Teil auch optisch kontrolliert werden.
  • Ein schneller Blickwechsel zwischen vorwärts- und rückwärtsgerichteter Orientierung ist notwendig. Dadurch entsteht kurzzeitiger optischer Orientierungsverlust, der durch „vorprogrammierte“ Bewegungshandlungen überbrückt werden muss.

 

Zusammenfassung                                                 

  • Die Orientierung während der Flugphase ist immer eine komplexe Leistung, an der mehrere Sinnesorgane beteiligt sind
  • Im Verlaufe der sportlichen Ausbildung können in den einzelnen Ausbildungsetappen unterschiedliche Sinnesorgane eine führende Rolle bei der Orientierung übernehmen
  • Im Lernprozess der einfachen Sprünge ist es der optische Analysator, den die Lernenden bevorzugt nutzen, weil er die zuverlässigsten Informationen über die Lage und Stellung des Körpers im Raum liefert
  • Springer*innen, die im Lernprozess dieser Sprünge eine optische Orientierung erlernen, sind in der Folgezeit auch bei Sprüngen mit höheren Schwierigkeitsgraden erfolgreicher als „Blindspringer“
  • Bei Mehrfachdrehungen mit hoher Winkelgeschwindigkeit spielt die richtige Augen- und Kopfbewegung eine entscheidende Rolle, um Orientierungspunkte länger im Blickfeld zu halten

Wichtige Kriterien bei der Ausführung

  • Klare Aufgabenstellung durch den/die Trainer*in bzgl. möglicher Orientierungspunkte (was soll der/die Sportler*in sehen und wie oft)
  • Ständige Rücksprache mit dem/der Sportler*in nach den Versuchen

Instruktionen für den/die Athlet*in

Klare Aufgabenstellung durch den/die Trainer*in bzgl. möglicher Orientierungspunkte (was soll der/die Sportler*in sehen und wie oft - bei Mehrfachdrehungen soll der/die Sportler*in den anvisierten Orientierungspunkt sehen).

Sonstige (Sicherheits-)Hinweise

Keinen Schmuck, Gürtel oder Brille tragen.

Variation(en)

Methodische Reihe

  1. Einzelne Drehungen (erst langsam, dann Tempo erhöhen)
  2. Mehrfachdrehungen (erst langsam, dann Tempo erhöhen)
  3. Einbeziehung des Öffnen vorwärts vom 1 1/2 Salto bis Vielfachdrehungen (nach oben keine Grenzen, erst langsam, dann Tempo erhöhen)

Variationen

Variation der Winkelgeschwindigkeit

Belastungsnormative

Keine Begrenzungen, solange der/die Sportler*in die Konzentration hochhalten kann.




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