Drei Tage lang präsentierte das IAT aktuelle Ergebnisse aus dem Nachwuchsleistungssport und diskutierte gemeinsam mit Trainer*innen, Athlet*innen und Sportverantwortlichen, wie diese Erkenntnisse in die Praxis wirken können. Der Handlungsdruck ist hoch: Die zukünftigen Spitzenathleten und Athletinnen möglicher Spiele 2040 in Deutschland befinden sich bereits jetzt im Sportsystem.
Die zentralen Herausforderungen aus Perspektive der Wissenschaft skizzierte Antje Hoffmann (IAT-Fachbereich Nachwuchsleistungssport) in ihrem Eröffnungsvortrag und benannte einen aus ihrer Sicht entscheidenden Schlüssel zum Erfolg: „Was wir in Deutschland brauchen, ist eine einheitliche Philosophie, um Nachwuchsathletinnen und Athleten erfolgreich zu entwickeln. Wettkämpfe sollten dabei weniger Förderkriterium sein, sondern EIN Element in einer ganzheitlichen Entwicklung von Sportler*innen.“
Hochkarätige Stimmen aus der Trainerperspektive
Zwei Praxis-Impulse von Bernd Berkhahn (Bundestrainer Lange Strecke) und Ute Schinkitz (Bundestrainerin Para Schwimmen) setzten den Ton an Tag eins, letztere mit einem Plädoyer für ein noch engeres Miteinander und den Abbau von Vorbehalten: „Wir brauchen den Austausch und den offenen Blick des olympischen Sports. Jedes Kind muss schwimmen lernen, ganz gleich wie es auf die Welt gekommen ist. Dafür brauchen wir Schwimmhallen-Kapazitäten und Menschen an der Basis, die das machen wollen und die Ängste in ihren Köpfen überwinden.“
Vom Zuhören zum Mitgestalten
Der Transfer der wissenschaftlichen Projektergebnisse in die Praxis stand im Mittelpunkt des Symposiums: Austausch auf Augenhöhe in verschiedenen Formaten von Workshops über Kurzimpulse oder einem „Science and Practice“-Café.
So erzählten in den „Schlaglichtern“ Alexandra Eberhardt (IAT) und Hans Babilon (Snowboard Germany) am Beispiel Off-Snow-Training im Snowboard von der Herausforderung, vor der viele neue olympische Sportarten stehen: Wie kann eine professionalisierte Struktur entstehen, ohne die sportarteigene Identität und Kultur zu verlieren?
Ein externer Impuls von Tim Kübel, Leiter Kultur und Entwicklung (Borussia Dortmund), gab Einblicke aus dem Fußball: Wie entwickeln Topklubs Spieler*innen ganzheitlich zu starken Persönlichkeiten? „Die persönliche Säule hat einen massiven Einfluss: Dort müssen wir in Deutschland viel stärker rein investieren. Andere Nationen sind uns hier 10 – 15 Jahre voraus. Wenn ich als Athletin oder Athlet nicht die psycho-sozialen Life Skills habe, meinen Alltag zu bewältigen, werde ich als Sportler nie mein Potenzial voll entfalten können“.
In den Workshops erarbeiteten die Teilnehmer*innen gemeinsam, wie die IAT-Projektergebnisse in die Praxis kommen. Aufgabe im Workshop „Rahmenmodell als gemeinsame Orientierung im Nachwuchsleistungssport“ war herauszufinden, was der Sportpraxis noch in der Anwendung des Modells fehlt. Dieses soll eine ganzheitliche und individuelle Orientierung für Akteure im Nachwuchsleistungssport ermöglichen: „Wir arbeiten ja nicht nur mit Athlet*innen, sondern mit Menschen. Da zählt nicht nur das Training, sondern auch Aspekte wie Psychologie und Gesundheit,“ erklärt Projektleiterin Katrin Altmann (IAT).
Auf dem Weg zum Erfolg – Erfahrungsberichte aus der Praxis
Nach der Arbeitsphase wurde es persönlich. Was steckt hinter erfolgreichen Karrieren? In den Nähkästchen gaben Athlet*innen und Trainer*innen Einblicke, die über ihre individuelle Geschichte hinaus von Herausforderungen, Strukturen aber auch Chancen im deutschen Nachwuchsleistungssport erzählen.
Eine dieser Stimmen, Bundes- und Landestrainer Goalball, Stefan Weil, sprach über seine Anfänge in der paralympischen Sportart: „Uns hat es gut getan Fehler machen zu dürfen: Dinge auszuprobieren, zu scheitern und danach wieder Erfolg zu haben - das hat dafür gesorgt, dass wir kreativ sein mussten. Starre Strukturen sind manchmal extrem hinderlich um Kreativität hervorzubringen.“
Gemeinsam groß werden, gemeinsam auf der Mission Gold?
Was soll bleiben vom vierten Nachwuchsleistungssportsymposium? Die größte ungenutzte Chance liegt in einer gemeinsamen Vision aller Akteure, so Antje Hoffmann, (Leiterin IAT-Fachbereich Nachwuchsleistungssport): „Uns fehlt das große Ganze, eine gemeinsame Philosophie für Sportdeutschland, getragen von allen. Wir brauchen gemeinsame Ziele, an denen wir arbeiten. Andere Nationen sind da schon weiter. Unsere Rednerin Leila Belaasri hat von der „Mission Gold“ gesprochen. Wenn wir uns auf diese gemeinsame „Mission Gold“ verständigen und darauf hinarbeiten, mit klaren Rollen und Verantwortlichkeiten, dann haben wir eine sehr gute Chance 2040 bei den Spielen auch erfolgreich zu sein.“


